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Das Türschwellenfest

Geschrieben von admin on May 21st, 2008 plaziert in Blog

Moin moin,

neulich, sprich Freitag, haben wir uns zum Feiern verabredet. Tine und ich sind mit zwei Freunden und deren Verwandten auf das Dürpel-Fest (Dürpel=Türschwelle) in Solingen gegangen. Dürpel-Fest - hab ich noch nie von gehört, konnte mir auch nichts darunter vorstellen. Dürpel, das hört sich schon nach Versprecher an. Der, die, das Dürpel, Dirpel, Dorpel, Turpel. Eigentlich auch egal. Ich war mir nicht sicher was mich dort erwarten würde. Ich hoffte auf Bier, Frauen und ein wenig gute Musik. Solingen, wer kennt es nicht, hat nicht jeder mindestens eine Gabel, ein Messer oder einen Löffel aus Solingen? Okay, wir nicht, aber das macht auch weiter nichts. Als ich Freitag auf der Arbeit saß und mir versuchte vorzustellen, wie das wohl werden wird und ob es so ein typisches Dorffest sein würde, wo jeder jeden kennt und wo überall Heu und Stroh liegt und sich die Kühe und Schweine drin suhlen? Okay, letzendlich haben sich die Schweine gesuhlt, weniger in Stroh und Heu, dafür aber in Bierlachen und ähm.. egal. Ich hab mich also abends auf den Weg gemacht. Schön brav zum Neusser Hauptbahnhof und ab in eine der super S-Bahnen der Deutschen Bahn. Es sollte die S8 werden. Wurde es aber nicht. “Die S8 Richtung Hagen hat vorraussichtlich 30 Minuten Verspätung”. Dumm, aber nicht weiter schlimm, es gibt ja noch die S11. “Die S11 Richtung Düsseldorf fällt heute leider aus.” Okay… gibt ja noch den RegionalExpress. “Der Regionalexpress fällt heute leider aus”, dröhnte es aus den Lautsprechern. Ich war mir nicht sicher was das bedeuten sollte. Irgendwie fiel so gut wie jede Bahn Richtung Düsseldorf aus oder kam zu spät. Langsam wurde es eng, die letzte Rettung: S28 Richtung Mettmann. S28: Keine Deutsche Bahn-Bahn sondern eine Bahn der Regiobahn. “Die Regiobahn nach Mettmann Stadtwald kommt ca. 10 Minuten später” schallte es just in dem Moment, als ich dachte: hey da geht was. Okay, okay, ich habs kapiert. Das Dorffest will nicht, dass ich komme. Aber dafür kam dann mit 5-minütiger Verspätung nun doch die S28. Am Düsseldorfer Hauptbahnhof musste ich dann in die S7 umsteigen. Diese S-Bahn (Schmutz-Bahn?) ist der Inbegriff des medial progragierten Ghettos. Es ist, als ob man aus einem Luxus-Lascana-Shop in einen 4th-Hand-Laden geht. Extreme Unterschiede, keine Frage. Aber man überlebt es. Urban hat es auch überlebt. Aber: wenn man sich einmal eingelebt hat, dann geht sogar - irgendwie- die S7. Ich hatte Glück, ich war umringt von Mädchen - 3 an der Zahl. Nicht das die wegen mir da waren - die saßen zufällig genau da, wo noch ein Platz für mich frei war. War gut für mich. Dachte mir so… kann ja mal versuchen zu lächeln. Gesagt getan. Hätte ich aber vielleicht tun sollen, als eine der drei mal in meine Richtung geguckt hat. Tja… S7 halt. Abgesteckte Gebiete für jedermann. Hatte ja noch Bad Religion, also ab ins Ohr damit und dann taktlos mit dem Bein gewippt. Sah scheiße aus, dafür war aber die Musik gut.

Ich kam also in Solingen an, und sollte von einem Begrüßungskomitee empfangen werden. Das aber musste erstmal gefunden werden. Denn aus der S7 stiegen so viele Leute! Unglaublich! Haben die denn kein Zuhause? Frau und Kinder? Auf jedenfall wurde ich dann von zwei Freunden abgeholt und wir sind dann gemeinsam los um Tine abzuholen. Tine hatte mehr Glück, sie kam mit einem RE. Als wir dann auf Tines Gleis (1) standen, hat man mir erklärt, dass der Solinger Hauptbahnhof 10 Gleise hat. Theoretisch. Praktisch gab es nur Gleis 1,3,8,9 und 10. Es gab die anderen Gleise nicht, nicht mehr oder sie waren sehr gut versteck. Vielleicht auch vorübergehend verliehen? Vielleicht an Köln? Aber hey, welche Kleinstadt macht das denn nicht? Je kleiner die Stadt, desto größer muss der Hauptbahnhof sein - oder umso imposanter. Solingen hat es günstig gemacht. Aus Solingen Ohligs Bf wurde mal eben Solingen Hauptbahnhof.

Wir holten also Tine von Gleis 1 ab und nach all dem Brüßungstata gingen wir dann los. Wir gingen aus dem Bahnhof (pardon: Hauptbahnhof!) und standen direkt im Dürpelfest. Ich war begeistert. Wir müssten dann also abends nicht so weit latschen um nach Hause zu kommen, und das Bier war auch nicht so weit entfernt.
Dennoch kamen wir ums laufen nicht herum, um auf das Dürpel-Fest zu kommen. Denn die anderen wollten unten anfangen und sich hocharbeiten. Okay, Ich mags zwar lieber andersrum ;) , aber machen wir es so.

Nach 10 Minuten laufen, waren wir dann am “unteren Ende” des Dürpel-Festes angekommen und trafen da den Rest der Gruppe; Mutter, Vater, Schwester, Schwager und so weiter. Gut möglich, dass sich meine Schweißtropfen zu einem Wort auf der Stirn gebildet haben, denn wir wurden direkt gefragt ob wir ein Bier möchten. Klar, immer her damit. “Kölsch oder lieber ein Alt?” Wie? Was? Häää? ALT natürlich! Auf dem ganzen Dürpel-Fest, gab es an jedem Stand - Egal von welcher Brauerei - Alt und Kölsch. Das muss man sich mal vorstellen. Alt und Kölsch, an einem Bierstand, an jedem Bierstand. Unglaublich! Frevelhaft!

Wir setzten uns dann Bewegung und spazierten Richtung “Oben”. An diversen Bierständen gab es dann Bier und Limonade für die Mädchen. Das Bier war gut, die Stimmung auf dem Fest war gut. Es war laut und voll. Streckenweise zu voll. Vorallem an einer Passage - da war der Auflauf so groß, dass man nicht mal mehr im Schneckentempo voran kam. Man stand quasi. Dann ging es mal vor und zurück, rechts ausweichen links drüber hüpfen - Stoßstangen und Airbags wären hilfreich gewesen. An einer Stelle wollte dann eine Mitt-Vierzigerin, schallend lachend und vor allem schwitzend, einmal quer durch die Menschenmenge. “Das kannste gleich vergessen” sagte ich ihr und kroch weiter.
Ahh… endlich Licht am Ende des Tunnels… da ist LUFT. Ich wusste gar nicht wie schön Frischluft sein kann. 10 Minuten nur Kölschfahnen, Schweiß und fragwürdige Parfums riechen ist nichts für mich, vom Gerempel und Geschreie mal abgesehen. Luft! Schönes Gefühl.

Die Weibchen hatten sich vorgenommen für uns Männer etwas zu erschießen. Also, an einer Schießbude!
On your marks, get set, shoot! Tine versuchte auf die Röhrchen zu schiessen. War eine gute Idee. Könnte sogar klappen. Klappte aber nicht. Nicht so wie sie (oder ich) es sich gedacht haben. Ich glaube sie hatte das Prinzip nicht ganz verstanden. Man schießt auf ein Röhrchen, bis es komplett weg ist. Sie schoß wahllos auf alle Röhrchen, auf die Schießbudentante, auf die Preise. Aber immerhin, sie traf. Man muss Ihr zugute halten, das sie noch nie geschossen hat; an einer Schießbude. Trotzdem, es war sehr lustig. Tine und Andrea (glaub ich) bekamen dann aus lauter Mitleid je ein Plastikblümchen geschenkt. Die dritte Frau im Bunde machte es ganz anders. Sie wollte auf die Scheibe mit den Plättchen schießen, das hat sie zumindest der Schießbudentante gesagt. Das Gewehr lässig in der Hand, und ab damit. Gnadenlos schoss sie auf die Stapel Ersatzplättchen, die sorgfältig unterhalb der Scheibe drapiert worden waren. Frauen! Gebt Ihnen ein Gewehr und sie sind unbremsbar. :)

Es ist wie es auf jedem Fest ist, zumindest wenn man ein Mann ist. Man schaut sich natürlich auch nach dem anderen Geschlecht um, man muss ja wissen, was momentan so “In” ist und wie die aktuelle Körperbekleidung aussieht. Wie erhofft, ist augenscheinlich leichte Bekleidung angesagt. Überall hüpfen einem die spärlich bekleideten sekundären Geschlechtsteile entgegen und ziehen die Augen wie Magnete an. Manchmal aber kann man sich nicht dem Gedanken erwehren, dass manche Frauen/Mädchen (vor allem Mädchen) die Lage falsch einschätzen und das falsche Schuhwerk auswählen. Denn die meisten Mädchen/Frauen haben sich in Pumps und andere HOCHhackige Schuhe gezwängt und sind mehr über das Dürpel-Fest gestolpert als gelaufen. Das sah größtenteils sehr lustig aus. Ich glaub, die meisten sind immer dann gestolpert, wenn sie stolz wie ein Schwan imponieren wollten. “Schaut her wie gut ich aussehe”- PLUMPS. Und erst das aufgeschreckte umherschauen, wer denn alles das Malheur gesehen hat. Ich schau dann ja die betreffende Person immer mitleidig an. Man will ja nicht das sie sich dumm vorkommt. Auch wenn man genau das denkt. Denn sobald sie weg ist, wird erstmal ausgiebig gelacht. hahaha! Dumm gelaufen!

Desto später der Abend wurde, desto lustiger wurde er. Lag vielleicht am unentwegten Strom des Bieres oder an der Musik. Später standen wir dann “Oben” und tranken und lauschten den rockigen Klängen von Road Trip. Irgendwann, wie immer nach Bier, mussten wir dann mal. Die beiden Mädchen und ich gingen dann zu dem Bauwagen und wollten… wie auch immer… auf jedenfall war es recht voll. Es gibt ja nichts ekelhafteres und unangenehmeres als Männer die in Reih-und-Gleid an Pissoirs stehen. Das schlimmste ist, wie in diesem Bauwagen: Die Pissoirs hängen einfach viel zu dicht aneinander. Männer glotzen. Das ist einfach so. Ich mein, mich interessiert der Wurm des Nachbarn mal so gar nicht. Will einfach nur mein Sache erledigen und gut ist. Aber der Typ neben mir war der Bringer. Da ergebe ich mich gerade dem wonnigem Gefühl des leichter werdens und was macht der? Der beugt sich kackendreist vornüber um glotzt. Ich war schockiert. Ich bin schockiert. Nichts wie raus hier. Das mir sowas mal passiert. Uff… Da haben wir es ja… nicht nur Frauen vergleichen sich mit anderen, meist mit knochigen, überschminkten bulimiekranken Tussneldas. Nein, auch Männer wollen wissen, wie der andere gebaut ist. Männer! Selten besser als Frauen, halt nur auffälliger. Wie auch immer, es gab ja noch genug Bier.

War auf jedenfall ein aufregender schöner Abend.

So…. das wars mal wieder.

Bis neulich,

michele