Tachchen,
Lange mussten wir warten und freudig war die Nachricht, dass die Illumina wieder stattfinden wird.
Zum Gedenken des Fundes des Neanderthalers vor 150 Jahren. Zu diesem Ereignis haben die Stadt Mettmann und diverse Organisatoren die “Nachtbilder” veranstaltet. Das heisst, Licht- und Toneffekte zum Staunen und Erleben.
Die erste Illumina, die ich erlebt habe, fand im Jahr 2003 im Steinbruch in Wülfrath statt und war genial.
Begeistert habe ich vor Wochen Karten gekauft, um das Ereigniss nicht zu verpassen.
Freitag 21:00 Uhr Ortszeit war es dann soweit. Wir fuhren also mit dem Bus zum Neanderthal-Museum wo die Show beginnen sollte. Wir waren sehr gespannt, denn die Illumina 2003 in den Kalksteinwerken war sehr interessant und spannend.
Als es dann losging, wurden wir hinter das Museum geführt, wo wir einen 14-minütigen Film über das Leben und Überleben der Neanderthaler zu sehen bekamen. Der Film wurde auf die Rückseite des Gebäudes projeziert und von zwei sehr nervtötenden Neanderthaler-Geistern kommentiert, deren Witze schlechter waren als die von Richie und Konsorten. Erste Entäuschungen traten auf, denn der Film war mehr als langweilig bzw.er erzählte nichts Neues. Das einzige, was ein bisschen Dynamik in die Sache brachte war, dass der Film ein Eigenleben entwickelte und auf dem ovalen Gebäude manchmal nach links den Blicken der Zuschauer auszuweichen versuchte.
Das hätten wir auch in einer Reportage auf WDR oder dem Discovery Channel sehen können.
Nun gut, wir sind ja nicht von der Sorte Mensch die direkt aufgibt, also haben wir uns das angeschaut und uns einzelne Details wieder ins Gedächtnis gerufen.
Ca. 14 Minuten später, war diese “Dokumentation” dann vorbei und es ging los (dachten wir). Wir machten uns also bereit für den Marsch durch den Waldweg und freuten uns schon auf das, was wir erleben sollten.
Erste Station: Eine Wand. Wand? nicht irgendeine Wand, sondern eine… nennen wir Sie Zeitwand. Die Wand wurde in verschiedenen Farben beleuchtet. Die Farben sollten die Klimaereignisse zu der Zeit des Neanderthalers wiedergeben. Eiszeit, mediteranes Klima, Eiszeit und soweiter. Das wäre bestimmt toll gewesen, wenn man verschiedene Objekte mit einbezogen hätte. Aber die Wand lies das Spektakel relativ eintönig (eintönig, *sowas*) erscheinen und wurde schnell langweilig. Ich habe irgendwie mehr erwartet.
Als es dann weiterging, wurden wir von dieser Zeitwand zur Fundstelle geführt. Wieder waren wir ein bisschen aufgeregt und neugierig auf die Inszenierungen, die uns unterwegs erwarten sollten. Aber irgendwie kam da nichts. Okay, die Absperrung des Wegs wurde von einem weißen Lichterschlauch beleuchtet, aber ansonsten waren die 10 Minuten Fußweg ziemlich still.
Aber dann sahen wir von weitem etwas, das beleuchtet war und eine Menschentraube die davor stand. Ja, es geht los… da passiert was…doch als wir näher kamen, konnten wir eine deprimierend wirkende tiefe Stimme hören die etwas erzählte.
Es war der Fels an dem der Gedenkstein zu Ehren des Archäologen, der die sterblichen Überreste des Neandethalers gefunden hatte, hing. Dieser Fels erzählte von der Zeit, als die Fundstelle genaustens untersucht wurde und dass man ihm damals ein großen Stück seines “Körpers” einfach weggesprengt hat und dass das ziemlich weh getan hat. Nagut…. Ein wimmender Fels, sowas hab ich auch noch nicht erlebt… ausser in der unendlichen Geschichte, aber das ist ein anderes Thema. Die Erzählung des Felsens war kurz und mitleiderregend.
Wir sind also weiter und hatten auf einmal den Geruch einer Bratwurst in der Nase und eine quatschende Menschenmenge, die auf einem etwas größeren Platz stand, vor den Augen. Aha, dacht ich mir, die Fundstelle. Da wird was los sein, viel zu gucken und zu hören. Als wir auf den Platz kamen, konnten wir auch schon laute Musik hören und Lichtstrahlen durch die Luft sausen sehen. Der Platz war voller Leute, so um die 600-700 schätze ich mal und ich kam mir vor wie in einer Disco… OpenAirig.
Nunja… ich hab mich dann mal umgeschaut, aber irgendwie war da nicht mehr zu sehen, ausser einer Wasserleinwand auf der geschrieben stand, dass man von ganz hinten am besten gucken kann. Auf der Leinwand liefen dann wieder Ausschnitte des Filmes vom Anfang. Und die Musik war auch nicht sehr vielfältig. Immer dasselbe Lied und immer die gleiche Formation des Lichtes.
Als mir dann jemand sagte… das wars, mehr gibt es nicht, war ich ein bisserl geschockt. Mehr gibt es nicht? Hat es denn überhaupt schon angefangen? Bin ich vielleicht einen falschen Weg gegangen? Hey, ich bin doch erst seit ca. 40 minuten da, da muss mehr sein … viel mehr … mehr Licht, mehr Ton, mehr zum gucken und zu hören … aber nix, es war wirklich vorbei … ich rekapitulierte…. WDR-Reportage auf Station 1, Zeitwand auf Station 2, der heulende Fels war Stations 3 und die Fundstelle ist Station 4. Vier? Vier Inszenierungen? bzw. 3 denn den abgemagerten Bericht von Station 1 zähle ich nicht wirklich mit.
Ist das alles? Solls das gewesen sein? Ja! Neeeeeeeeeeeeein….. kann doch nicht sein. Ich zahl doch nicht 9,96€ für die 40 Minuten.
Und so war ich ziemlich enttäuscht, traurig und den Rest des Abends nicht mehr wirklich ansprechbar :(
Ich habe leider keine Idee, welche Idee hinter dieser Veranstaltung steckte und was sich so manche Genies bei der Ausarbeitung gedacht haben. Aber… überzeugen konnte mich die Show nicht und sie hat auch nicht, wie von den Veranstaltern propagiert, das Neanderthal nach außen getragen. Nun gut, vielleicht raus aus meinem Kopf, aber mein Interesse geweckt hat sie nicht.
Was soll ich da sagen ausser: Schade. Man hätte so viel daraus machen können.
In diesem Sinne noch einen schönen Sonntag.
Michele