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Ellenbogengesellschaft, Massenhysterie und Klischees

Geschrieben von admin on May 3rd, 2007 plaziert in Blog

Hallo Ihr da,

ich sag nur “Irre”.
Ich brauchte unbedingt ein paar sommertaugliche Klamotten und das für wenig Geld.
Da Tine wusste, dass es einen Lagerverkauf von Esprit gibt, meinte sie, wir könnten da doch heute mal hinfahren, denn vielleicht findet man ja dort was Schönes.

Gesagt getan. Wir waren ca. um 15:00 Uhr im Espritlager und ich war überrascht. Ich mein, man kennt ja die Esprit-Lädchen in den Städten oder Kaufhäusern. Da ist alles schön beleuchtet und sortiert. Manchmal sogar mit angenehmer Musik im Hintergrund. Aber: die Lagerhalle (Es war wirklich eine), war wie ein Lager so ist: Überall standen die Ständer voll mit Klamotten rum, meist 2 Kleiderstangen übereinander. Von wegen sortiert. Nix da. Nagut, ich dacht mir halt, es ist günstig und es sind einigermaßen gute Sachen, stell dich nicht so an.
Wir dackelten dann also los und überall waren die Schwärme von Frauen. Soviele Frauen sieht man selten, sehr selten. Ich sag Euch, die sind gar nicht zimperlich. Auch wenn manche aussahen als ob sie gleich zusammenbrechen würden. Ich habe nicht nur einen Ellenbogen abbekommen, sondern gleich ein Dutzend. Dazu gabs dann noch Ich-fahr-dir-mit-meinem-Einkaufswagen-in-die-Hacken-Attacken und dieselben Attacken auch mit Kinderwagen. Überall liefen schreiende, rempelnde, gierig die Klamotten an sich reißende Frauen rum. Ich, ich war mittendrin, mitten in diesem Drama.
Mein mich leitendes Motto “Man gewöhnt sich an alles” wurde auch diesmal relativ schnell aktiv und ich versuchte allem, was mir zu nahe kam, auszuweichen-klappte nachher auch ganz gut.

Zu allem Überfluss scheint Esprit sich bei den Größenangaben Scherze zu erlauben oder eigene Maßtabellen erfunden zu haben.
Denn da waren T-Shirts in den Größen XL, aber man sah schon, dass dieses T-Shirt niemals größer war, als ein S/M-Shirt.
Das gleiche galt für die Hosen und Hemden. Das war wirklich anstrengend! Aber auch das hat dann irgendwann geklappt. Nichts geht über das Augenmaß, und Pi-mal-Daumen war auch ein guter Helfer. Denn Umkleidekabinen gab es… irgendwo in diesem Getümmel. Aber, hey… bis ich die gefunden hätte… ohjee..

Als wir dann zur Kasse wollten, sahen wir diese gar nicht gleich. Denn eine Horde Menschen stand auch schon an.
Ich stellte mich also ans Ende der Schlange und Tine rannte noch ein bisserl rum, denn vielleicht hat Sie ja was Schönes übersehen. Hatte Sie, sie kam dann wieder, lud Ihre Trophäen auf meinem Arm ab, und war dann schon wieder verschwunden.
In der Zwischenzeit dachte der Kerl hinter mir, er könne mit mir ein bisschen Spaß haben, denn der kam so dicht ran, dass sein Atem im meinem Nacken landete *EKLIG”. Seine Frau/Freundin/Geliebte/Partnerin/Schwester/Tante/Oma oder Großmutter war auch nicht besser. So ne dürre Nudel mit spitzen Ellenbogen, die ständig versuchte auf meinen Wirbeln Klavier zu spielen.
Nach 10 Minuten wurde mir das ganze zu bunt, ich sagte den beiden Vögeln, dass sie gefälligst ein wenig Abstand halten sollten. Haben Sie auch ohne Widerrede gemacht. Naja, vielleicht ohne Widerrede, da mein russisch quasi nicht vorhanden ist, konnte ich nicht verstehen was die beide da gebrabbelt haben. Aber die waren dann auch auf einmal futsch. Gut für meinen Rücken und gut für deren Ohren.

Wir bzw. ich stand dann da so an der Kasse und irgendwie ging es kaum vorwärts. Ehrlich, eine Schnecke hätte in der Zeit die ganze Halle umrunden können.
Aus Langeweile hab ich mir dann mal so die Einkaufswagen vor mir angeschaut und ich war schockiert. Ich mein, im Fernsehen und Radio hört man die ganze Zeit, dass Deutschlands Mittelstand hart an der Grenze zur Armut ist und gerade genug Geld hat, um über die Runden zu kommen. Aber das was sich da vor uns abgespielt hat, zeigt mal wieder knallhart, wo das Geld sitzt. Mittlerweile bei Esprit! Da waren Familien, die hatten gleich 2 Einkaufswagen voll gepackt mit Klamotten. Der Wahnsinn. Das, was die da gekauft haben, das kauf ich mir nicht mal in einem Jahr! Die haben wohl die komplette Familie und den Bekanntenkreis gleich mit, mit Klamotten eingedeckt. Wahnsinn.

Naja… auf jeden Fall scheint es im Esprit Lagerverkauf gewisse Regeln zu geben. Nicht so wie in den Lädchen: Sachen aussuchen, zur Kasse gehen und bezahlen. Nein, im Lagerverkauft nutzt man die Wartezeit an der Kasse um die Bügel aus den Klamotten zu holen, diese dann an den Handgriff des Einkaufswagen zu hängen und dann die Klamotten ordentlich zu falten. Ich war überrascht. Sowas hab ich noch nie erlebt. Normalerweise machen das doch die Kassiererinnen, wofür werden die denn bezahlt?
Ich meinte dann zur Tine, ob wir das denn auch machen sollten? Sie meinte Nein, und ich hatte auch nicht wirklich Lust dazu.
Aber als wir dann knapp eine Stunde in der Schlange standen (ja wirklich über eine Stunde), haben wir dann auch die Bügel aus den Klamotten geholt und unserer Vorgängerin an den Wagen gehängt. Hey, die wollte das so.
Nur gefalten, das haben wir nicht. Das haben wir dann doch die Kassiererin machen lassen.

Das Kind von der Frau vor uns, ein ca. 4-jähriger Junge, war auch ziemlich gelangweilt. Er wollte wohl ein bisschen Action und hat wohl von seinem Vater öfters etwas vom Bowling mitbekommen. Denn der stellte sich auf mitten in die Halle und schubste die leeren Einkaufswagen in die Menschenmenge. Wirklich schade das er niemanden getroffen hat *fg*

Irgendwann war dann das Ende der Schlange in Sicht und ich konnte die Kasse sehen. Die Frau vor der Frau vor uns, war mit bezahlen dran. 285,00€. Sie holte ohne mit der Wimper zu zucken Ihre Geldbörse raus und legte der Kassiererin den Betrag in 10- und 5 Euro-Scheinen auf die Ablage. Ich dachte mir so… warum nicht, mach der Kassiererin nur ein wenig mehr Arbeit, wir haben ja alle Zeit. Aber, als die Kassiererin dann anfing jeden einzelnen Schein durch das UV-Licht zu schieben (um zu gucken ob die echt sind), bekam ich die Krise. Wo ist das Vertrauen in die Menschen hin? Meinen die echt, wir bescheißen alles und jeden?
Aber das war ja nicht das Schlimmste, nein, die Frau vor uns (muss wohl eine Freundin von der Frau davor gewesen sein) machte genau den gleichen Scheiß. Alles 10- und 5 Euro-Scheine. Örks. Wo ist die Couch? Die sollen gefälligst eine Couch und Getränke in den Kassenbereich stellen.
Mir taten mittlerweile die Früße und die Beine weh… meine Laune näherte sich der Frustration und die Schrabnelle meinte auch noch rumlabern zu müssen. Erzählte uns, dass Sie schon 2 Stunden in der Schlange stehe (blah blah blah).

Endlich waren wir dran und ich war echt froh das wir mit Plastik bezahlt haben. Denn mit allem anderen wär ich verrückt geworden. Es war mittlerweile knapp 18:00 Uhr, als wir wieder aus dem Laden raus waren-halb verdurstet.
Das muss man sich vorstellen: 3 Stunden waren wir da und davon standen wir die halbe Zeit in der Schlange oder haben mit den anderen gepogt.

Ich muss sagen… diese Erfahrung sollte jeder Mann einmal gemacht haben. Denn Klischees sind nicht immer unwahr oder übertrieben. Nein, Frauen die shoppen, verlieren jede Art der Menschlichkeit und werden zu Bestien in Menschengestalt.
Bei manchen fehlten wirklich nur noch die Klauen und die löwenähnlichen Zähne (Die Haarpracht von Löwen hab ich dort öfters gesehen).

Ich bin mir nicht sicher ob ich mir das noch einmal antun werde. Andererseits waren die Preisunterschiede schon enorm. Aber… ist Geld wirklich so wichtig? Ich glaub nicht, und ich glaube nicht das ich das noch einmal überleben werde

In diesem Sinne,

Schönen Do-Tag,

michele